Ob Hobbyschrauber oder Autobastler, wer sein Auto aufmotzt, hat viele Vorschriften und Regeln zu berücksichtigen. Hier erfahren Sie worauf man beim Umbau achten sollte.

Tiefer, Schneller, Breiter gehört wohl unter den Tunern zu einen der bekanntesten Leitsätze. Zudem bringen angesagte Tuner immer wieder neue Accessoires und Anbauteile auf den Markt, wodurch man als Hobbyschrauber sehr schnell den Überblick verlieren. Oft wird sogar noch der Eindruck erweckt, das Sie ihr Auto mal so ganz nebenbei tunen könnten.

Tuning am PKW
Fahrwerk und Aluflegen – ein muss für jeden Schrauber

Doch so einfach wie sich die meisten einen Umbau vorstellen ist es dann doch nicht. Denn die Entscheidung ob ein Umbau genehmigt wird oder den geltenden Regeln entspricht trifft letztendlich der TÜV oder die Dekra. Worauf sollten Sie im Detail achten müssen lesen Sie hier.

» Fahrwerk & Bodenfreiheit – Leg ihn Tiefer
» Reifen und Räder – exklusiver Look
» Auspuffanlage – besserer Sound gefällig?
» Spoiler und Anbauteile – Auto im anderen Gewand

Fahrwerk & Bodenfreiheit – Leg ihn Tiefer

Das Fahrwerk und vor allem die Bodenfreiheit ist bei vielen ein entscheidendes Tuningmerkmal. Denn jeder Schrauber ist sich im klaren darüber das ein normales Werksfahrwerk nicht dazu gedacht ist optische Akzente zu setzen. Aber auch bei einem Kombi wird man eher selten von einem sportlich straffen Fahrwerk sprechen. Da kommt schon häufiger der Vergleich mit einer gemütlichen Bootsfahrt. Für die Tieferlegung kommen neben verkürzten Federn auch komplette Fahrwerke (Sportfahrwerk oder Gewindefahrwerk) zum Einsatz.

Egal für welchen Fahrwerkstyp Sie sich entscheiden. So ein Umbau bringt neben der Optik natürlich auch einige positive Aspekte wie zum Beispiel: besseres Fahrverhalten, verbesserte Straßenlage und ab senken von Schwerpunkt und Neigungswinkel mit sich.

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Dennoch müssen Sie die folgenden Dinge beachten!

  • 1. Passt das Fahrwerk für mein Fahrzeug (Identifizierung durch Fahrzeugschein)?
  • 2. Erhalte ich beim Kauf die erforderlichen Gutachten (Teilegutachten)?
  • 3. Was ist beim Einbau beachten?
  • 4. Liegt die Tieferlegung im angegebenen Bereich (variable Höhe beim Gewindefahrwerk)?
  • 5. Sind die Räder und Reifen freigängig?

Neben den genannten positiven Aspekten die natürlich Tunern und dem Technischen Überwachungsverein (TÜV) bekannt sind. Gibt es vorab ein paar sehr wichtige Fragen zu klären (siehe Box). Wie viel Bodenfreiheit ein Fahrzeug haben muss ist zwar nicht eindeutig in der StVZO festgeschrieben. Aber der § 30 Absatz 1 und 2 schildert ganz klar die Voraussetzungen.

Gemäß Paragraph § 30 laut StVZO

Absatz 1. Fahrzeuge müssen so gebaut und ausgerüstet sein, dass
1. ihr verkehrsüblicher Betrieb niemanden schädigt oder mehr als unvermeidbar gefährdet, behindert oder belästigt,

2. die Insassen insbesondere bei Unfällen vor Verletzungen möglichst geschützt sind und das Ausmaß und die Folgen von Verletzungen möglichst gering bleiben.

Absatz 2. Fahrzeuge müssen in straßenschonender Bauweise hergestellt sein und in dieser erhalten werden.

Hinweis: Beim Umbau des Fahrwerks müssen Sie darauf achten das die Rad-/Reifenkombination auch wirklich im Teilegutachten (meist nur mit originale Felgen und Reifen geprüft) steht.

Räder und Reifen – exklusiver Look

Wie bereits erwähnt hängen die möglichen Rad-/Reifenkombinationen mit dem verwendeten Fahrwerk zusammen. Beide Komponenten stellen die einzige Verbindung zur Fahrbahn her. Ist also einer von beiden nicht für seinen sogenannten Gegenpart zugelassen erlischt die Betriebserlaubnis für das Fahrzeug. Im schlimmsten Fall braucht die Versicherung nicht zu zahlen. Denn wer ein Fahrzeug ohne Einbauabnahme in Betrieb setzt, für den ist jeglicher Versicherungsschutz erloschen. Dann eine neue und günstige Versicherung zu finden wird besonders als Fahranfänger schwierig.

Allen Warnungen zum Trotz, sehen doch große Alufelgen und breite Reifen einfach nur Klasse aus. Außerdem sorgen breite Reifen für einen enormen Zuwachs an Bodenhaftung, jedenfalls ist das die Meinung der meisten Autobastler.

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Das müssen Sie beachten!

  • 1. Sind die Räder und Reifen freigängig?
  • 2. Ist die Lauffläche abgedeckt?
  • 3. Querbelastung und Einfedern der Stossdämpfer (volle Beladung)
  • 4. Welche Radbolzen sind erforderlich?

Doch gerade wenn die beliebten Tuningfahrzeuge wie der VW Golf oder Opel Corsa mit dicken Schlappen ausgerüstet werden, kann auch die Gefahr durch Aquaplaning steigen. Das hängt zwar nicht nur mir den Reifen zusammen auch mit dem eher geringen Gewicht der Fahrzeuge.

Hier gilt:

Sprechen Sie vorher mit einem KFZ-Sachverständigen über den Umbau der Räder. Klären Sie Einwände oder Bedenken des Sachverständigen. Vor allem sollten Sie dabei nach den Kosten fragen, denn liegt den Felgen kein Teilegutachten bei, kommen Sie um eine Einzelabnahme gemäß § 21 StVZO nicht herum.

Auspuffanlage – besserer Sound gefällig?

Bei den Endtöpfen und kompletten Auspuffanlagen der Fahrzeuge, hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan. Dennoch gehört der Umbau nach wie vor zum absoluten „Must have“, denn egal ob Kleinwagen oder PS-Bolide nichts geht über einen tiefen sonoren Klang der Auspuffanlage.

Immer wieder wagen sich Tuner mit eigenen Ideen oder Konzepten an eine einzigartige Auspuffanlage. Die Inspirationen dazu finden Sie meist in Zeitschriften oder Portalen wie FSW-Tuning News wo über aktuelle Tuning-Trends berichtet wird. Allerdings wird bei einer selbst entwickelten Anlage wieder eine Eintragung nach § 21 StVZO fällig.

Wer nicht ganz so kreativ ist oder hohen Kosten entgehen will, wählt aus dem riesigen Angebot der verschiedenen Tuner die entsprechende Auspuffanlage aus. Der große Vorteil hierbei ist das die Endrohrvarianten frei wählbar sind und dank Allgemeiner Betriebserlaubnis (ABE) eine Eintragung in den Fahrzeugschein entfällt.

Spoiler und Anbauteile – Auto im anderen Gewand

Hier sind Hobbyschrauber so gut wie keine Grenzen gesetzt. Der Markt für Frontschürzen, Heckspoilern und kompletten Body-Kits ist fast unüberschaubar groß. Diese Veränderung der gesamten Optik eines Fahrzeugs ist aber längst nicht alles. Denn unterschiedliche Materialien sorgen für ein verändertes Fahrzeuggewicht oder eine anderes Fahrverhalten.

Häufig werden Anbauteile wie Frontschürze oder Schweller aus Glasfaserkunststoff (GFK) gefertigt, dieser ist für ein gute Stabilität bekannt. Dennoch splittert das Material bei einem Unfall sehr stark, während Kunststoffe wie ABS-Plaste nur unschöne Beulen hinterlässt.

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Für Auspuff und Spoiler gilt:

  • – keine scharfen Kanten (Verletzungsgefahr)
  • – Materialfestigkeit (wie das original oder besser)
  • – Befestigung der Anbauteile prüfen
  • – Lärm- und Geräuschpegel beachten (speziell beim Auspuff)

Hier heißt es beim Kauf gut aufpassen, denn niemand möchte scharfe Kanten am Fahrzeug. Wo sich unter anderem Passanten oder andere Verkehrsteilnehmer verletzen könnten. Hier würde auch der KFZ-Sachverständige keine Plakette erteilen.

Daher lässt sich abschließend feststellen: „Erlaubt ist was gefällt und der StVZO entspricht!“ und dazu noch über eine Typzulassung in den folgenden Formen vorhanden ist.

ABE = Allgemeinen Betriebserlaubnis
ABG = Allgemeinen Betriebsgenehmigung
EG- oder ECE-Genehmigung = EU – Genehmigung für Deutschland und Österreich (z.B. vom Kraftfahrtbundesamt erlassen)

Denn dann brauchen Sie das einzelne Tuningteil nicht in den Fahrzeugschein eintragen lassen. Zumindest aber sollte eine Eintragung nach §19 StVZO zulässig sein, was über ein TGA (Teilegutachten) sichergestellt ist. Haben Sie gar kein Gutachten oder dergleichen muss die Eintragung wenn überhaupt zulässig nach § 21 StVZO gemacht werden.

Bevor Sie für einen Umbau oder Tuning Geld in die Hand nehmen sprechen Sie mit einem KFZ-Sachverständigen. Oder aber mit Leuten die Erfahrungen beim Tuning von Fahrzeugen haben. Somit laufen Sie nicht der Gefahr das ihre Umbauten keine Eintragung bekommen und aus dem Traum von einem echten Unikat ein Alptraum wird.